Und wie wir dieses Problem „behoben“ haben
„Wo kommt das Wasser her?!“, „Meine Jurte schimmelt!“, „Das Dach ist undicht!“, „Muss ich jetzt jeden Tag heizen?!“ – die Angst geht um beim Thema Feuchte. Und so hören wir dergleichen Sätze immer wieder, oft in angehender Schnappatmung. Getrocknet haben wir bislang allerdings nur Angstschweiß, der Rest löst sich schnell von alleine in der Raumluft auf. Denn die gute Nachricht ist: Feuchte ist in unseren Jurten kein Problem. Die schlechte lautet allerdings ebenso: in vielen anderen Jurten schon. Die traditionelle Jurte kommt aus der Halbwüste, da ist ein zu viel an Wasser nicht das vorderste Problem. Betrachten wir uns also Schritt für Schritt die möglichen Ursachen von Feuchte und die entsprechenden Problembehebungen.
Wasser von außen – unsere Jurten
Naheliegend, denn Wasser ist Leben und wir können nur dort wohnen, wo Leben ist. Zugleich streben wir danach, unsere materiellen Güter dem Kreislauf des Lebens zu entziehen und sie haltbar zu machen, was allgemein betrachtet zwar ein Problem darstellt, im respektvoll durchgeführten Einzelfall aber durchaus sinnvoll ist. Deshalb verwenden wir ein atmungsaktives Regentuch mit einer Haltbarkeit von über zehn Jahren – wenn durch ein Außentuch vor UV-Licht geschützt – das mit Quellgarn in Kappnähten verbunden und mit einer Nahtabdichtung behandelt ist. So kann es je nach Güte der Nachtabdichtung sehr selten noch zu einem leichten Eindringen von Wasser kommen, nach Aufquellen des Garns ist damit aber spätestens Schluss. Diese Abdichtung dürfte mindestens so lange halten wie das Tuch selbst und kann natürlich auch auf andere Fabrikate angewendet werden. Da wir ausschließlich mit schimmelresistenter Wolle von Isolena dämmen, richten diese paar Tropfen aber keinen Schaden an. Ab 2027 verwenden wir in der ANIMA-Grundausstattung zudem Jutegewebe als Innenhimmel, da auf diesem keine Wasserränder zurückbleiben. Aber auch die Baumwolle leidet nicht, selbst wenn von Wasserflecken, wie sie ja vor allem bei Kondenswasser auftreten können, feine Ränder bleiben, was zumindest nicht kategorisch auszuschließen ist.
Andere Jurten
Soviel zu unseren Jurten. Aber natürlich baut jede*r seine Jurten ein bisschen anders und so ist das Thema Wassereintritt bei Regen und Schneeschmelze oft ein Thema. Besonders auch in Importjurten. Da können wir nur eines empfehlen: möglichst schnell auf eines unserer Regentücher umsteigen. Unsere Preise dafür sind weit unter normal und es gibt wohl wenige Textilien in dieser Gewichtsklasse, die so günstig sind.
Ein Sonderfall des Wassers von außen stellen absichtlich herbeigeführte Löcher, wie zum Beispiel eine Ofendurchführung dar. Diese sollte erstens ordentlich ausgeführt und über die Jahre im Auge behalten werden. Eine Nachabdichtung kann jederzeit nötig werden, ist aber einfach durchzuführen. Wie immer gilt: eine Jurte ist kein Haus und Bedarf einem höheren Grad an Verbindung und Achtsamkeit – beides glücklicherweise zugleich sehr gesunde Grundparameter im Alltag.
Kondenswasser – unsere Jurten
Deutlich herausfordernder als Wasser von außen ist Wasser von innen. Denn wer atmende Wesen abdichtet, hat sie nicht mehr lange. Atemfeuchte und Transpiration ist unumgänglich. Außerdem wird gekocht, Wäsche getrocknet, u.v.m. Folglich gilt: Wasserdampf ist immer da, aber weniger Wasserdampf ist Trumpf: Beim Kochen keine unnötige Energie verschwenden, köcheln statt überkochen, Deckel zu statt offen, Fenster im Küchenelement, wie wir es anbieten, das nach außen öffnet und entlüftet. Wäsche wann immer möglich draußen trocknen (geht auch bei Frost super). Nasse Kleidung im überdachten Eingangsbereich außen aufhängen. Stoßlüften.
Trotzdem wird Wasser am Regentuch kondensieren. Je dicker die Dämmung, desto härter der Taupunkt, desto mehr Wasser. (Wir reden hier von Effekten, die nur bei speziellen Wetterlagen in der kalten Jahreszeit auftreten.) Die meiste Feuchte nimmt die Wolle auf, bis zu 30% ihres Eigengewichts ohne an Dämmwert einzubüßen, aber manchmal bildet sich ein Fleck – zumindest bei Baumwoll-Innenhimmeln. Er bleibt in der Regel nur wenige Stunden.
Obwohl all dies praktisch gesehen kein Problem gibt, sorgen sich Kunden doch ganz gerne wegen dieser Flecken und da wir mit Angst und Sorgen aus Gründen der Psychohygiene möglichst wenig zu tun haben wollen, begegnen wir diesem Nicht-Problem trotzdem immer weiter. Unsere Jurten atmen schon jetzt sehr gut, ab 2027 aber noch besser, denn wir ersetzen das Wandregentuch durch eine atmungsaktivere Membran aus recyceltem Polyester. Dazu der Innenhimmel aus Jute, auf dem man keine Flecken sieht, die besagte Nahtabdichtung, die Fenster im Küchenelement, überdachte Außengarderoben und wem das immer noch nicht reicht: für den haben wir auch Hinterlüftungslösungen im Angebot! Eine zweite Lage Dachlatten hebt Regen- und Außentuch von der Dämmung weg und lässt Kondenswasser innen ablaufen oder wieder verdunsten.
Unsere mehrschaligen Kuppeln und die Isolierglasfenster können im intakten Zustand nicht innen beschlagen. Nur von außen nass werden.
Andere Jurten
Auf die Hinterlüftungslösung müssen auch alle jene Jurten zurückgreifen, die mit Dampfbremsen arbeiten und davon gibt es mehr, als man meinen könnte. Sollte diese fehlen oder nicht richtig funktionieren und zudem entweder Hanf in der Dämmung stecken oder andere Materialien, die stocken oder schimmeln können, dann gute Nacht. Auch die unsauberen Filze der Importjurten sind davon oft betroffen. Wieder können wir nur empfehlen: ersetzt eure Dämmung oder erweitert sie zumindest in der äußeren Schicht durch ein Produkt von Lehner Wool oder vergleichbarem, das dann das Feuchtigkeitsmanagement in der kritischen Zone übernehmen kann und die anderen Materialen schützt.
Bodenfeuchte – unsere Jurten
Noch so ein Thema, das man sich an unsere Stelle erstmal vergegenwärtigen muss. Denn wer schon immer mindestens 20cm vom Boden weg und durch Steine getrennt baut, der hat mit diesem Thema keine Probleme.
Andere Jurten
Wer aber keinen Abstand zum Erdreich hält, und auch dafür gibt es absurderweise jede Menge Beispiele unter europäischen Jurten, der hat innerhalb kürzester Zeit ein Problem, das man eigentlich auch gar nicht lösen kann. Selbst Teichfolien geben keine Garantie auf Dauer dicht zu bleiben, Nager haben quasi freien Zugang auch zu Wand und Dach und Fundamente versacken, ohne dass man etwas tun kann. Auch hier gilt: Finger und Jurten weg vom Boden!
Und wenn sie jetzt schon dort steht und sich von unten langsam vollsaugt und dabei verrottet? Zur Not muss man neu aufbauen und eine Fundamentkonstruktion, wie wir sie auch anwenden, „unterschieben“. In ein paar Jahren sind solche Jurten sonst eh oft hinüber.
Feuchte durch Unfälle – unsere Jurten
Auch von Unfällen, wie von außen herbeigeführten Schäden am Regentuch – z.B. ein fallender Ast – oder großen Wasserverlusten innen – z.B. undichte Frischwasserleitung – , tragen unsere Modelle nur optische Spuren davon. Die Jurte ist unterhalb des Regentuchs komplett offen für Wasser, diese kann über den Boden wie in alten Häusern auch wieder aus der Jurte hinausfließen und staut sich an keiner Sperrschicht. Gleiches gilt für den Dampf – der kann sogar durchs Regentuch. Zusammen mit den verwendeten Materialien ergibt sich ein dreifacher Schutz vor Schimmel und Stockflecken.
Andere Jurten
Eine wasserdichte Folie, die vor Bodennässe schützt, verhindert das Versickern des Wassers ebenso wie Sperrschichten in den einzelnen Bodenteilen (unter der Dämmung). Hanfdämmungen, die schon im Kondenswasser schimmeln, gehen an unbemerkten Wasserlecks oder Einbrüchen schnell zu Grunde.
Das Thema wird also zurecht im Internet recherchiert und auch wir werden viel danach gefragt. Genauso aber zeigt sich, dass die europäische Jurte inzwischen Antworten auf die Probleme ihrer ursprünglichen Version aus dem trockenen Hochland in unserem Klima gefunden hat. Maximale Atmung bei notwendiger Wasserdichte und Abweisung, natürlich schimmelresistente Materialien wie Wolle oder Holz und technisch sinnvolle Lösungen nach der Devise: Be like water 😊
Wer dieses Thema nicht weitestgehend und nachhaltig im Griff hat, wird nicht mehr glücklich, wenn er wie wir bald die 100. Jurte baut.








