Lösungen für Off und On Grid
In den Utopien, die die Erinnerungen an das Leben in der Steppe in uns zurückgelassen haben, ist die Sache einfach: eine Jurte als Schutz gegen Kälte und Sturm, ein Feuer in der Mitte mit einem rußigen Kessel darüber, Wasser in Ziegen-Schläuchen, frisch gezapft aus einem schlammigen Loch im Sand, Staub um sich zu waschen und Staub, um die eigenen Hinterlassenschaften zu bedecken. Mehr braucht der Old-Age-Nomade nicht.
Aber der Neuzeitliche. Der braucht eine Küche, Bad, Strom und Heizung. Wahlweise vom Netz, oder auch autark. Zum Thema Wärme in die Jurte bringen gibt es hier schon einen Beitrag, aber wie finden die anderen Installationen ihren Weg ins leichte Zuhause?
Oft ganz einfach zwischen Wand und Boden, aber manchmal auch auf komplexeren Wegen. Je nachdem wie offiziell es werden soll.
Strom
Die meisten Jurten stehen irgendwo in Anbindung zu einem Haus. Strom aus dem Netz ist dann kein Problem, es reicht ein Erdkabel ordnungsgemäß zu verlegen, einen Verteilerkasten irgendwo unter der Jurte zu installieren, gegebenenfalls einen weiteren Erdungsstab zu setzen und das Kabel zwischen Wanddämmung und Boden hinein zu führen. Am besten mündet es direkt auf eine Mehrfachsteckdose mit Schalter. So kann man des Nachts die ganze Jurte vom Netz nehmen und in Old Age Träumen baden. Innen wird dann in der Dämmung auf Bodenniveau hinter dem Scherengitter mit weiteren Verlängerungen je nach Bedarf die ganze Jurte umrundet. Auch in Wand und Decke ist es möglich, unsichtbar Kabel hinter Latten und Dachstangen zu verlegen.
Ist dagegen kein Strom aus dem Netz vorhanden, wird es komplizierter. Eine PV Anlage muss her. Was weiter im Süden der Welt und bei Dreijahreszeitennutzung außer den Anschaffungskosten kein Problem darstellt, fällt im Winter klar unter die Kategorie Herausforderung. Denn egal wie stromsparend das Leben in einer Jurte ist – Kühlschrank braucht es im Winter keinen, Unterhaltungs- und Ablenkungsmedien auch viel weniger, genauso Licht – so schwer ist es doch ohne sehr viel Batterieleistung oder große PV Flächen, sich in den dunklen Tagen selbst zu versorgen. Tragbare Power Stations können helfen. Wärme sollte dann aber natürlich nicht aus Strom erzeugt werden.
Wie immer gilt: wer genehmigt, muss alles von Profis mindestens absegnen lassen.
Wasser
So auch beim Wasser. Sich selbst eine Dreijahreszeiten-Leitung im Alu-Verbundrohr-Schraubfitting-Stil in die Jurte zu legen und das wenige Abwasser giftfrei zu halten und entweder aus mobilen Spülschüsseln dorthin im Garten zu kippen, wo es am meisten gebraucht wird, oder mit einem flexiblen Rohr in die Büsche zu leiten, ist einfach. Auch eine Dusche bzw. Waschbecken mittels Grauwasserturm oder Kleinkläranlage lässt sich mit überschaubarem Aufwand umsetzen. Ebenso eine Komposttoilette. Anders sieht es natürlich aus, wenn eine 80cm tief vergrabene Wasserleitung und ein Kanalanschluss benötigt werden. Zu viel Schwere verträgt das Leichter Leben leider nicht. Umsetzbar ist es natürlich trotzdem – aber eben auch hier wieder offiziell nur von Profis.
Die beglücken unser Team zwar in immer größerem Ausmaß, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass Low Tech mehr Spaß macht, viel weniger kostet, ökologischer und deutlich reparaturfreundlicher ist. Knackpunkte jenseits der Behörden stellen beim Frischwasser die Wintermonate dar. Wer seine Leitung spatenblatttief eingräbt und auf dem Weg in die Jurte gut dämmt, der erreicht in den Wintern der Gegenwart bereits weitestgehend Frostsicherheit, muss aber trotzdem am tiefsten Punkt des Systems eine Entwässerung in einem Schacht vorsehen, um bei ausgedehnten Minusgraden entleeren zu können. Vor solchen Perioden empfiehlt es sich, alle Speicher in der Jurte noch zu füllen – in der Regel muss man dann gar nicht Wasser tragen.
Was wiederum die Lösung für alle darstellt, die entweder gar keine Wasserleitung haben können oder wollen. Einen sehr ergonomischen Ansatz stellt hier die Kombination aus Fußpumpe und Kanister dar. Wasser lässt sich auf diese Weise sehr gut dosieren und leicht sparen. Denn wer trägt, der schätzt das Elixier des Lebens definitiv mehr, als die, die es aus dem Hahn direkt in den Abfluss schießen lassen. Am besten heiß.
Kochen
Wir bleiben in der Küche. Kochen ist zum Glück eine unkomplizierte Installation. Hier bietet sich Gas an, die Flasche steht dann sicher unter der Jurte, der Gasschlauch wird zwischen Wanddämmung und Boden hereingeführt. Beim Verbrennen von Gas entsteht etwas Wasser, das sich als Kondensat absetzen kann. Hat man eine belastbare, sichere Stromleitung in die Jurte gelegt, kann man natürlich auch elektrisch kochen. Bei kaltem Winterwetter bietet sich auch eine Stückholz-Küchenhexe an – um auf dieser in einer Jurte kochen zu können, bedarf es aber wirklich kalter Außentemperaturen. Unsere Jurten sind ansonsten viel zu gut gedämmt und die entstehende Wärme müsste mutwillig weggelüftet werden.
Lüften – etwas, das man in Jurten tatsächlich kaum zu tun braucht. Alles atmet, die Wolle und die Biobaumwolle wirken luftreinigend und feuchteregulierend und es kann sich quasi kein Schimmel bilden. Unsere Küchenelemente sind trotzdem mit einem nach außen öffnenden Panoramafenster versehen. Kurzes Stoßlüften findet beim Betreten und Verlassen der Jurte ohnehin statt. Wer schwer und tierisch kocht, viel brät und frittiert, der lüftet mehr. Irgendwie klar.
Kohlenmonoxid
Ein letztes Thema, das eigentlich zu den Öfen gehört, aber auch beim Verbrennen von Gas stattfinden kann, wenn nicht genügend Sauerstoff vorhanden ist und etwaiges CO nicht entweichen kann. Beidem wird durch die Atmungsaktivität der Jurte stark vorgebeugt – die Öfen der traditionellen Jurten erscheinen da verdächtiger, europäische Jurten aber vereinen zu wenige Risikofaktoren auf sich, um eine realistische Angst daraus zu formen. Wer es genau wissen will, kann sich ja einen CO-Melder besorgen und nicht am Boden schlafen.
Insgesamt ist es wie immer. In Jurten ist alles viel leichter, selbst einbaubar und einfach zu reparieren – schlicht weil man weiß, was man hat – kostet 1/10 der vorgesehenen Lösung, es lebt sich wunderbar damit, aber man kann es nicht genehmigen. Wer privat bleibt, für den ist dergleichen nicht nötig, wer seine Jurte der Öffentlichkeit zugänglich macht, muss abwägen, wo DIY geht und wo nicht.








