…und zugleich auch unsere Arbeitskollektiv- und Unternehmenswerte
1. Verantwortlichkeit:
Das Wichtigste zuerst. Wir verstehen unter Preis nicht nur, was eine Jurte bei uns im Verkauf kostet oder welche ökonomischen Kosten sie im Produktionsprozess verursacht. Denn weder du als Kunde noch wir als Hersteller tragen die eigentlichen Kosten, wenn wir etwas kaufen. Und je nachdem, wie gewirtschaftet wird, werden sogar ein Großteil dieser Kosten externalisiert: in andere Gegenden der Welt, in die Atmosphäre, die Zukunft. Ins Ökosystem. Deshalb lassen wir äußerste Vorsicht walten, bei den reellen und potenziellen Schäden, die unser Handeln anderswo zeitigt. Weniger Arbeitskräfte anderswo ausbeuten, bedeutet diese hier mehr zu bezahlen. Anderswo keine Pestizide auf den Baumwollfeldern, bedeutet teurere Biobaumwolle hier. Einen Teil dieser höheren Kosten tragen wir – einen Teil du. Wer einfach nur so billig wie möglich will, der ist womöglich anderswo besser dran. Wer verantwortlich handeln möchte dagegen, ist bei uns herzlich willkommen!
2. Ökologische Nachhaltigkeit:
Das Fundament der drei Säulen der Nachhaltigkeit verpflichtet zu möglichst umweltbewusstem Verhalten. Zum Glück mussten wir schon in unserer Kindheit Bäume pflanzen und am 1. Januar Böller-Müll sammeln, bekamen selten Fleisch gekocht und wurden von Flugreisen weitestgehend verschont. Auf diesem „ideologischen Fundament“ bauen wir bei jurte.de Produkte, die für einen Wohnraum einen sehr kleinen ökologischen Fußabdruck haben. Das hat unter anderem an folgende Gründe:
a. Schadenspotenzialreduktion: Alle Materialien sind in Sachen ökologischem Schadenspotenzial optimiert. Wir verwenden fast nur recycelte Kunststoffe und suchen laufend nach Quellen, die anderen zu ersetzen. Oder Beton im Fundament – unnötig.
b. Regionalität: 90% der Materialien kommen aus dem direkten (<50km) oder nahen (<250km) Umfeld und werden in möglichst großen Chargen transportiert. Zudem arbeiten wir mit mittelständischen Unternehmen zusammen. Denn in aller Regel gilt: je größer ein Unternehmen, desto umweltschädlicher.
c. Müllreduktion: Nicht weitersagen, aber wir bauen bis zu 20 Jurten im Jahr ohne gewerbliche Abfälle. Alles lässt sich beim ohnehin gigantischen „Pflichtmüllvolumen“ der Lebensgemeinschaft mit entsorgen. Restmüll fällt fast nur an, wenn wir gebrauchte Fenster von den üblichen Sünden des Baugewerbes befreien. Quasi alle Materialien dürfen bei Bau und Montage einfach so vom Wind in die Natur geblasen werden. Holz, Wolle, Hanf, Biobaumwolle. 95% der Jurte wären kompostierbar.
d. Reparaturfreundlichkeit: Was natürlich nicht sinnvoll und auch nicht nötig ist. Alle Teile außer Außentuch, Regentuch, Wetterleisten und der Lichtkuppel können bei entsprechender Pflege vermutlich hundert Jahre und mehr alt werden. Die Jurte ist voll modular und kann bei jedem Auf- und Abbau komplett generalüberholt werden. Ersatzteile sind im Zweifel auch selbst oder von anderen Handwerkern herstellbar.
e. Low-Tec, Low-Org, Low-Erg: Okay, diese Begriffe sind zum Teil recht neologistisch – nichtsdestotrotz bilden sie die Basis der Prozessvariablen unseres Schaffens. Maschinen sind so groß wie nötig, aber so klein wie möglich und laufen so selten wie möglich. Von Hand arbeiten ist schön, leise, ungefährlich und energiesparend – also tun wir es so viel wie möglich. Beheizte Werkstatträume, wenn man sich auch ein paar Schichten mehr anziehen kann? Nur für Arbeiten, bei denen man mit Handschuhe nicht weiterkommt. Und wenn es im Winter tatsächlich mal richtig kalt ist? Dann wird weniger gearbeitet. Zudem hat bei uns niemand Spaß an der üblichen „Bulls***“-Orga. Bürokratie ist eine Bürde, und sollte kein Fetisch werden. Wir funktionieren deshalb eher wie ein Dorf. Viel Selbstorganisation, viel Spontanität – auch in der Kommunikation. Praktisch, dass wir auch zusammen leben, essen und zum Teil unsere Freizeit verbringen.
3. Soziale Nachhaltigkeit:
Was uns direkt zum nächsten Punkt bringt. Der sozialen Nachhaltigkeit. Angewandter Humanismus oder sogar Nächstenliebe könnte man es auch nennen. Respekt für- und untereinander. Dafür applizieren wir in unserer Fertigung schlicht, was die Arbeitspsychologie schon lange empfiehlt: Methodenfreiheit, Zeitfreiheit, flache Hierarchien, co-kreative Elemente, viel Unterstützung, wenig Tadel, ein breites Tätigkeitsfeld, möglichst keine Bezahlung gegen Zeit, sondern gegen geleistete Arbeit, u.v.m. Dieser Rahmen führt zu einer Arbeitsqualität, die ihresgleichen in weiten Kreisen suchen muss. Und die soziale Bilanz anderswo? Die 60 persönlichen Sklaven, die ein Durchschnittsdeutscher für seinen Lebensstandard in der ganzen Welt implizit arbeiten lässt? Wir sparen sie uns, soweit es geht. Maschinen aus deutscher Produktion und aus zweiter Hand, heimische Materialien und kaum High-Tec (der einzige Rechner der Firma lag vor 8 Jahren bereits in einer Mülltonne und wurde dort containert, dann repariert und fällt heute zwar halb auseinander, läuft aber noch immer tadellos).
4. Kulturelle Nachhaltigkeit:
Um auch die zweite Säule des Nachhaltigkeitsmodells nicht zu vergessen und weil sie so schön zur ersten passt: Wir lieben es nicht nur, Jurten für dich zu bauen – noch lieber (nicht weitersagen) bauen wir sie für uns. Und füllen sie mit Leben. Mit Gesprächen. Und Musik. Spielen und Zeremonien. Dem Duft von geräucherten – nein, nicht Tieren – sondern Kräutern und natürlich dem von frisch gekochtem Essen. Wir erfinden die wildesten Prototypen und die schönsten Inneneinrichtungen immer erst für uns. Und dann machen wir sie serienreif für die dich.
5. Ökonomische Nachhaltigkeit:
Womit wir bei dem Punkt wären, den wohl die meisten Werber ganz nach oben gestellt hätten. Und der natürlich sehr wichtig ist – schließlich hängt er mit den obigen Faktoren eng zusammen und gebietet es die Fairness gegenüber allen Beteiligten nicht nur nicht zu viel Geld einzunehmen, sondern auch nicht zu wenig weiterzugeben. Und darin liegt auch der Grund, warum dieses Verhältnis bei uns so gut ist und zudem immer besser wird: denn je mehr Geld wir umsetzen, desto kleiner kann der Anteil pro Jurte werden, der zum einen aus Gründen der unternehmerischen Risikoprävention und zum anderen zum Lebensunterhalt der Eigentümer abgezweigt werden muss. Und nachdem unser Chef gar kein Gehalt bezieht und wir alle in unserer Gemeinschaft mit wenig Geld ein sehr gutes Leben führen dürfen, sind wir diesbezüglich bestens aufgestellt. Unser Ziel ist nicht in erster Linie, die allerschicksten Jurten zu bauen, aber eben für ein schönes, reifes Produkt einen möglichst geringen Preis aufrufen zu können.
6. Prozesseffizienz:
Außerdem sinken mit der zunehmenden Größe eines Unternehmens und der Professionalität der Fertigung – wie z.B. in unserem 2026 entstehenden größten Jurtenpark des Landes – die Arbeits-, Produktions- und Materialkosten. Das ist zwar ein Problem für die Konkurrenz, aber es führt ohnehin kein Weg daran vorbei, aus dem Produkt zeitgenössische Jurte „made in Europe“ eine solide, kostenoptimierte Alternative zum Massivbau mit einem durchweg guten Ruf zu machen und dieses geniale Prinzip damit aus seiner Nische zu holen.
7. Verlässlichkeit:
Wie viele Geschichten haben wir schon gehört von „Jurtenkatastrophen“, für die später niemand gradestand, weil die Personen unter der Hand ein paar Jurten gebaut hatten, bis sie bemerkten, dass ihnen die ganze Sache über den Kopf wuchs? Oder auch ohne Katastrophe Jurten hinterließen, für die sie keine Ersatzteile mehr herstellen würden und für die es keine Pläne mehr gab – oder nie gegeben hatte.
Wir bauen gerade eine Produktion auf, die viele Jahrzehnte laufen soll. Oder länger. Denn auch eure Jurten von uns werden lange halten. Außerdem gehen wir sehr offen mit unserem Know-How um und etablieren auf diese Weise einen Typ Jurte, der schon bald weit verbreitet sein wird. Selbst wenn wir mal überbucht sind, können wir einen unserer schon jetzt zahlreichen „Ableger“ vermitteln. Und der oder die können euch auf jeden Fall mit einem neuen Außentuch versorgen oder beim Jurtenumzug helfen.
8. Erfahrung:
Auf der Firma jurte.de steht zwar kein „seit 1948″ oder so, sondern ein 2022, aber das ist nur die offizielle Fassade, die irgendwann nötig wurde, um größere Stückzahlen bauen zu können. Jurten bewohnen und produzieren wir bereits seit 2014 und das Leichtere Leben – monatelang in Höhlen mitten in der Natur, um von dort aus Klettern zu gehen zum Beispiel – das sitzt uns noch einmal 15 Jahre länger in der Seele. Für uns war selbst unsere erste, kaum gedämmte und nur schwer beheizbare Jurte, deren Bad der Fluss war und in die wir das Wasser im Winter in Kanistern trugen, eine Komfort-Explosion – in der unter anderem unsere Tochter zur Welt kam. Spätestens da verlor zumindest ich mein Herz gleich doppelt: an den Wohnraum und das neu geborene Leben darin.
9. Hingabe:
Und da Liebe nicht vergeht, ist so noch immer ungebrochen da. Wer würde schon mehrere Jahre quasi ohne Urlaub durcharbeiten, wenn er nicht wirklich liebte, was er täte? (Okay, Menschen außerhalb Europas, aber hier, ohne Zwang? Wenige.) Und das ist ein immanent wichtiger Faktor, dessen Effekte nicht immer leicht zu messen sind. Die Hingabe, die in jeder einzelnen Jurte steckt, in jedem einzelnen Teil, beeinflusst, wie es ist, darin zu leben. (Deshalb empfehlen wir auch den Selbstbau so sehr.)
10. Leichter Leben:
Einer unsere Unternehmensberater sagt immer: „Die Leute kaufen nicht nur das Produkt bei euch, sie kaufen auch den Prozess und die Begegnung. Man kann hier so viel lernen und mitnehmen und dazu eine gute Zeit haben.“ Das ist ein bisschen typisch „BWLer-Sprech“ und dick aufgetragen, aber es deckt sich mit dem Feedback der Menschen, die mit oder bei uns Jurten kaufen, mithelfen oder einfach nur reinschnuppern. Ohne dergleichen konkret anzustreben, hat sich in unserem Jurtengarten und bald sicher auch im Flower-Power-Plant (Arbeitsname unserer neuen Fertigung) ein besonderer Geist eingefunden. Den man am besten selbst erlebt, der aber sicher unter anderem darauf basiert, dass wir nicht nur uns Gutes tun wollen. Dass wir Geld in die richtigen Bahnen fließen lassen. Alternative Projekte unterstützen, Öko-Aktivismus, weitere Jurtengärten anlegen wollen. In denen sich Mensch und Natur wieder näherkommen können. Heilen dürfen.
Dies ist unser kleiner Beitrag zum zentralen Ziel der Menschheit in den nächsten tausend Jahre.








