Pirmin
Gründer – Entwicklung – Geschäftsführung – PR – Nachhaltigkeitsbeauftragter
Es gibt Dinge, die aus der Vergangenheit betrachtet deutlich wahrscheinlicher wirken mögen, als dass ich eines Tages die obigen Zeilen niederschreiben würde. Aber wer weiß schon, wie die Potenziale der Wahrheit durch das Alltagsgeflecht der Wirklichkeit schimmern?
Dies ist ein kleiner biographischer Exkurs zu den Ansätzen eines größeren Plans, der sich vor allem in den letzten Jahren immer mehr zur Entfaltung bringt und unter anderem dieses Projekt hier gebiert.
Handwerk:
Mein Vater – selbst Hobbyschreiner – hielt mich diesbezüglich erst für einen Doppel-Linkshänder und als ich mich dann – ebenso wider sein Erwarten – zum Spitzensportler wandelte, durfte ich gar nicht erst beginnen, meine Kletterer-Finger in seinen Sägen und Fräsen aufs Spiel zu setzen. So erfolgte mein Einstieg ins Hobbyhandwerk tatsächlich auch erst mit knapp 30 Jahren und einem Jurtenboden inklusive Hühnerstall, Terrasse usw. im Rahmen unseres ersten Jurtenprojektes, bei dem wir das „Zelt“ allerdings noch komplett kauften. Von da an war ich entbrannt für die Sache und bereits zwei Jahre später warf ich mich bar jeder Erfahrung und ganz ohne spezifische Fähigkeiten in meinen ersten eigenen Jurtenbau: eine 8m Familienjurte. Und so naiv es gewesen war, gleich eine so große, winterfeste Jurte zu versuchen, so sehr sollte ich diesem Weg wohl treu bleiben. Denn nicht nur der Prozess lief deutlich flüssiger als erwartet, er gestaltete sich auch sehr erfüllend und die Jurte funktionierte einwandfrei.
Unternehmertum:
Allein, Handwerk allein macht noch kein Start-Up. Und natürlich würde ich mich gerne ausschließlich um die technische Entwicklung kümmern, alle Versuche aber, die Gründung jemand anderem zu überlassen, waren zum Scheitern verurteilt.
Hatte ich beim Schreinern meinem Vater zumindest noch zusehen können, gab es so etwas wie Unternehmer in meinem familiären Umfeld quasi nicht. Zwar verkaufte ich als Kind manchmal den Anderen Ende Sommer einen meiner angesparten Osterhasen und hatte ich einen roten Eimer mit D-Mark-Münzen, bereits vor meinem zehnten Geburtstag aber verlor ich alles Interesse am Gelderwerb und verlegte mich zur Konsolidierung meiner Taschengeld-Haushalts allein aufs bedachte Ausgeben. Darin war dafür gut. Unsere ersten langen Kletterreisen Mitte der Nullerjahre bestritten wir noch mit 120€/Monat und während des Studiums in der Schweiz lebte ich 50% unter der Armutsgrenze – in gefühltem Reichtum wohlgemerkt. Wer Ausgaben wie Kino, Mensa, Kletterhalle, Restaurant, Schwimmbad, Fleischkonsum ganz allgemein, mehr als ein Bier und natürlich jede Form von Übernachtungskosten von vorherein ausschließt, kann auch als ausländischer Student in der Schweiz überleben. Und natürlich begann ich spätestens mit den Kindern in meiner Wahlheimat auch zu arbeiten, Halbprofi und Buchautor war ich damals ebenfalls schon, aber für den Schritt ins Unternehmertum brauchte ich einmal mehr einen Tritt des Universums in den Allerwertesten.
Nach einigen Jahren zwischen Sponsorengeldern, Publikations- und Vortragshonoraren und viel Hingabe an die Familie kam mit der Pandemie erstmal das Ende dieses Erwerbsmodells und zugleich zusammen mit der Mutter meiner Kinder der Kauf unseres aktuellen Zuhauses: eine 500m² große, alte Unternehmervilla, aus der sich die Miteignerin allerdings bereits nach Monaten zurückzog um alle Verantwortung mir zu überlassen (und nur noch die Wertsteigerung per Tilgung mitzunehmen). Was ich niemals allein angerissen hätte, retteten wir jetzt alle zusammen mit viel Eigenleistung in der Renovierung, Kurzzeitvermietung und in der Folge auch vermehrtem Jurtenbau. Die Firma dazu sollte eigentlich mein anfänglicher Haupt-Mitstreiter gründen (so überschaubar war meine Lust darauf), nachdem er aber zum einen von Jurten nichts verstand und dann auch noch seiner alten Geißel Alkohol erneut verfiel, gründete ich schließlich – und sinnvollerweise allein. Zudem eine GmbH, weil uns dazu jemand geraten hatte. Eine bürokratietechnisch zunächst sehr unkluge Entscheidung, die aber mit zunehmender Größe auch ihre Vorteile zeitigt.
PR – Publizistik:
Genauso wie in der technischen Entwicklung bin ich hier zum Glück nicht allein und vor allem aus Begeisterung. Trotzdem stammt ein Großteil des Materials dieser Seite von mir und habe ich die geringste Scheu vor Fernsehteams und Co. Und im Gegensatz zu den obigen Bereichen startete ich hier auch mit einem gewissen Talent. Erst für die Fotografie und später auch fürs Schreiben – stets angetrieben von der Schönheit der Natur und dem Drang zu Dichtung und Selbstausdruck. Und nach ein paar Jahren Pause kitzelt es mich jetzt richtiggehend in den Fingern, endlich wieder mehr Geschichten über unser Leben in Bild und Text zu teilen.
Geschäftsführung:
Wir nähern uns dem ersten Bereich, von dem ich behaupten könnte, dafür zumindest in Teilbereichen offiziell ausgebildet zu sein. Zwar deckt ein Master in klinischer Psychologie sich nicht wirklich mit dem ökologisch oft toxischen Expansions-Irrsinn, den Wirtschaftler „wissenschaftlich“ nennen. Aber immerhin lernt man in der Arbeits- und Organisationspsychologie einiges darüber, warum die Arbeitswelt so dysfunktional ist und wie man das eigentlich besser machen könnte. Was wir wiederum in unserem Kollektiv versuchen. Außerdem sehr praktisch in Gründerjahren: man lernt, die eigene Energie über lange Zeit und auch ohne Urlaub hochzuhalten, ohne ins Burn-out zu geraten. Und natürlich beinhaltet ein solches Studium grundlegend sehr vieles, was man nicht nur in einer Geschäftsführung, sondern ganz allgemein im Leben gut gebrauchen kann.
Nachhaltigkeitsbeauftragter:
Was die wenigsten Unternehmen überhaupt haben, ist bei uns sogar in der Geschäftsführung untergebracht und dient wie immer nur einem einzigen Prozessziel: die Welt zu einem schöneren Ort machen. Kein ganz leichter Job, wenn die allermeisten von Geld angetriebenen Energien ziemlich genau das Gegenteil anstreben.
Zum Glück wurde zumindest ich diesbezüglich bereits früh geprägt mit Bäume-Pflanzen und kein-in-ganz-viel-Plastik-verpacktes-Eis-kaufen-dürfen oder Böllersammeln am 1. Januar. Vor allem aber sehr viel Umweltpädagogik – die beste Voraussetzung für Naturschutz aus Überzeugung – und später die Lektüre vieler Publikationen aus dem Themenspektrum. Den Klimaschutz packte ich als Ziel dann ab den Nullerjahren, als unter 200km/h auf der Autobahn fahren noch als schädlich für den Motor galt, mit auf die Agenda. Als Kletterer, die ja eigentlich verkappte Motorsportler sind, ein damals noch sehr neuartiges Unterfangen, das mich die letzten aktiven Jahre zu großen Teilen auf das E-Bike als Verkehrsmittel umsteigen ließ.
Was die Bergsportler mit Argwohn betrachteten, passt zu den Jurtenfans zum Glück viel besser. Hier ist Klimaschutz kein Problem, sondern eine willkommene Einladung zu einem leichteren Leben. Und natürlich hat auch die alternative Szene ihre offenen Fersen, wie allerlei Verschwörungsdenken, das als Ablenkungsmanöver gegen die eigentliche Problemlage erfunden wurde und deshalb genau diese leugnet. Oder die Anhänger klassischer Kryptowährungen, die ungeachtet aller anderen Argumente genauso wenig zukunftstauglich ist wie ein großflächiger Einsatz der KI. Zumindest vor Abschluss der Nachhaltigkeitswende haben wir für beides eigentlich keine Energie übrig. Aus den gleichen Petersburger Bot-Fabriken dringt in diese leider bildungstechnisch oft recht unbedarften Kreise auch die braune Grütze und so sieht man sich selbst in einem „Nachhaltigkeitslabor“ wie unserem mitunter Anhängern des Königreich Deutschlands oder der AfD gegenüber, die zudem auch noch glauben, Werte von rechts außen ließen sich mit unseren irgendwie zusammenbringen. Und natürlich umweht die traditionelle Jurte in Ländern wie Ungarn ein fauler Atem, aber wir wollen ja nicht wie Dschingis-Khan über tausend von den Frauen ungewollte Kinder zeugen, sondern das geniale Prinzip der Jurte in ein modernes Setting überführen. Und da in unserer Welt ohne soziale Nachhaltigkeit die ökologische gar nicht realisierbar ist, erlauben wir uns ganz frech sogar Dinge wie Respekt vor Frauen oder Minderheiten.






